Martin Volk

Martin Volk

Martin Volk ist Professor für Computerlinguistik an der Universität Zürich seit 2008. Zuvor war er fünf Jahre Professor an der Universität Stockholm. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Multilinguale Textanalyse und Maschinelle Übersetzung. In diesen Bereichen hat er an verschiedenen EU-, SNF- und KTI-Projekten teilgenommen. In den letzten Jahren hat er mit seinem Team alle Jahrbücher des Schweizer Alpenclub von 1864 bis 2011 digitalisiert und sowohl linguistisch wie auch bzgl. Toponym-Klassen annotiert. Entstanden ist das Text+Berg-Korpus mit Alpintexten in Deutsch und Französisch (je rund 22 Millionen Wörter), sowie kleineren Textmengen in Italienisch, Rätoromanisch, Schweizerdeutsch und Englisch. Rund fünf Millionen Wörter des Korpus in Deutsch und Französisch sind Übersetzungen und bilden ein paralleles Subkorpus. Martin Volk ist Mitglied im Leitungsausschuss des Zürcher Kompetenzzentrums Linguistik und im Lenkungsausschuss des Studiengangs Bibliotheks- und Informationswissenschaften der Zentralbibliothek Zürich.

Zusammenfassung des Referats

Welche Auswirkungen hat der digitale Wandel in Forschung und Lehre auf die Sprach- und Literaturwissenschaften?

Der einfache Zugang zu grossen Mengen von elektronischen Texten hat die Sprach- und Literaturwissenschaften grundsätzlich verändert. In der Sprachwissenschaft gehören Recherchen in und statistische Auswertungen über riesige Textkorpora nun zum anerkannten Methoden-Inventar. Automatisch generierte Zusatzinformationen wie Wortarten oder Grammatikstrukturen bieten einen grossen Mehrwert. Kontrastive Vergleiche zwischen übersetzten Texten reduzieren Mehrdeutigkeiten und erhöhen die Präzision der automatischen Analyse.

In der Literaturwissenschaft hat der digitale Wandel zu einer Vielzahl von Hypertexten geführt. Das Erstellen und schnelle Verfolgen von Verweisen zwischen literarischen Werken sowie deren Bezüge zu Sekundärquellen haben neue Perspektiven für die Arbeit mit und an Texten eröffnet. Verwobene Hypertexte stellen selbst ein neues Genre dar. Solche Texte werden oft in Zusammenarbeit von vielen Menschen erschaffen und können durch die Technologie für unterschiedliche Nutzergruppen dynamisch angepasst werden.

Als Beispiel für die digitalen Möglichkeiten eines diachronen, multilingualen Korpus stellen wir die Recherche-Optionen über den von uns digitalisierten und annotierten SAC-Publikationen von 1864 bis 2011 vor. Das Korpus erlaubt linguistische, geographische und sprach-übergreifende Suchen. Es unterstützt unterschiedliche Sichten auf die Texte und macht sprachliche und kulturelle Entwicklungen anschaulich.

Referent vom 28. November

Teil II: Welche Auswirkungen hat der digitale Wandel in Forschung und Lehre auf ...

die Sprach- und Literaturwissenschaften

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